Sie sind nicht alleine!!!    

Viele Dinge die geschehen,passieren nicht nur Ihnen.

Es passiert sehr vielen Menschen und vielleicht erkennen Sie sich in dem nachfolgenden Bericht wieder.

 

SHG sind eine Anlaufstelle für alle Menschen, die sich mit Gleichgesinnten und / oder Menschen mit den gleichen Problemen treffen und Erfahrungen austauschen wollen.

 

 

 

Wir haben zwar Ärzte und Therapeuten, die für unsere Erkrankungen zuständig sind und wir haben auch viele Fragen die wir stellen möchten, aber meist sind wir beim Arzt im Sprechzimmer und haben kaum Zeit für unsere Probleme und erst wenn wir schon wieder draußen sind, fällt uns ein wie viel wir fragen wollten und dass wir davon höchstens 5 % gefragt haben. Vielleicht

  • weil wir uns nicht getraut haben
  • weil wir den Eindruck hatten, der Arzt hat keine Zeit
  • weil wir und der Arzt aneinander vorbeigeredet haben
  • weil wir unser Problem aus einer ganz anderen Sicht als der Arzt sehen

Das heißt nicht, dass Arzt und Patient sich nicht verstehen wollen, nein, sie können es oft nicht. Dieses Problem tritt gerade bei Schmerzpatienten sehr oft auf. Das liegt daran, dass wir Schmerz nicht real messen können, wie Fieber oder Blutwerte, sondern jeder Mensch den Schmerz anders empfindet. Das kann kaum ein Arzt nachvollziehen. Er muss sich also ganz auf den Patienten verlassen und auf seinen Eindruck und da kommt häufig einiges durcheinander.

Ein Mensch mit Schmerzen, der weinend und klagend zum Arzt geht und optisch ein wenig vernachlässigt aussieht, löst beim Arzt ein ganz anderes Gefühl aus, als ein Mensch mit genau den gleichen Schmerzen, der mit der Einstellung „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ und „Zähne zusammenbeißen“ zu genau dem gleichen Arzt geht. Zudem möchte dieser Patient nicht bemitleidet werden, darum möchte er wenigstens nicht krank aussehen und geht vielleicht zur Sonnenbank und die Frau schminkt sich vielleicht und geht regelmäßig zur Kosmetik, um sich selber - trotz des Schmerzes - etwas Gutes zu tun.

Beiden Patienten geht es gleich schlecht!! Aber welchem hört der Arzt aufmerksamer zu und wem glaubt er den Schmerz eher??? Sehr wahrscheinlich dem weinenden, denn da wird das Mitgefühl viel eher angesprochen. Das sind Probleme mit denen wir alle zu kämpfen haben. Wenn diese auch noch so klein erscheinen, machen sie uns zusätzlich fertig. Der Patient erlebt dann Unverständnis, mangelnde Information und bekommt das Gefühl, damit ganz alleine dazustehen.

Und da ist die wichtige Aufgabe der einzelnen Selbsthilfegruppen: Dort wo sich die Gelegenheit bietet mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen und über Probleme zu sprechen. Denn wir sind nicht alleine, nein es leben viel mehr Menschen die unter Schmerzen leiden in Deutschland, als wir uns vorstellen können.

Laut einer EMNID Umfrage aus dem Jahr 2002 leiden 24 % der Erwachsenen - das sind ca. 14 Millionen Menschen - an ständigen oder immer wiederkehrenden Schmerzen. Davon wiederum haben 800.000 bis 1 Millionen Menschen problematische Schmerzen. Das heißt: der Schmerz hat sich verselbstständigt und wurde zu einer eigenständigen Krankheit: dem chronischen Schmerz. Dieser hat seine Warnfunktion verloren: der Schmerz existiert nicht auf Grund einer Verletzung, einer Operation oder Entzündung, sondern er ist einfach da.

Alleine um diese ca. 1 Millionen Schmerzpatienten zu versorgen, wären mind. 1000 Schmerztherapeutische Einrichtungen wie Schmerzspezialisten, Schmerzkliniken und Schmerzambulanzen nötig. Leider sind wir da noch lange nicht angelangt. Es stehen uns mal gerade um die 400 zur Verfügung, was auch die langen Wartezeiten erklärt, bis wir endlich einen Termin haben. Hinzu kommt, wer kennt ihn schon den Facharzt für Algesiologie - den Schmerztherapeuten.

Auch das ist eines unserer Ziele in der Selbsthilfearbeit: Den anderen die Wege und Wartezeiten und Enttäuschungen zu ersparen die die meisten von uns durchgemacht haben, bis sie endlich wussten: Es gibt auch Fachärzte für Schmerzen.

Je mehr Menschen in die Selbsthilfegruppen gehen und dort ihre Fragen und Erfahrungen einbringen, um so größer wird das Wissen um den Schmerz und wie wir damit umgehen können. Nur der umfassend informierte Mensch beteiligt sich aktiv, weil er weiß er steht nicht alleine da. Er  kennt die typischen Probleme

  • Erhöhtes Schmerzempfinden
  • Schlafstörungen und Müdigkeit
  • Keine Lust mehr auf Aktivitäten jeglicher Art
  • Konflikte in Familie, Arbeit und Freundeskreis
  • Das Gefühl der ständigen Überforderung
  • Depressionen bis hin zu Suizidgedanken
  • Berufsunfähigkeit
  • Finanzielle Probleme

Das alles kann niemand alleine oder nur mit seinem Partner oder seiner Familie bewältigen. Dazu braucht er professionelle Hilfe von Fachleuten und den Menschen in den Selbsthilfegruppen. Dort machen wir immer wieder die Erfahrung, dass es sich unter Gleichgesinnten leichter reden lässt, keiner muss erklären was Schmerz und Einschränkung ist und dort hat schon mancher seit langem auch wieder einmal gelacht und gemerkt, dass wir auch Spaß am Leben haben.

An manchem Gruppenabend würde ein Außenstehender nicht auf die Idee kommen, dass sich dort Menschen treffen, deren Problem der Schmerz ist. Denn nicht nur Informationen, Vorträge und der Austausch untereinander ist Sinn der Gruppe, sondern auch die gemeinsamen Aktivitäten - wie jetzt die Fahrt nach Konstanz zum Schmerzkongress - sind ein Bestandteil des Gruppenlebens. Man erlebt endlicher wieder einmal die eigenen Möglichkeiten, man gehört dazu  und man erfährt hautnah, dass einer für den anderen da ist.

Für uns und für Sie sind daher solche Veranstaltungen wie die Konstanzer Schmerztage eine Bereicherung und Möglichkeit zur Weiterbildung, sowie die Chance neue Kontakte zu knüpfen.

Ohne die Arbeit in den Selbsthilfegruppen, die ehrenamtlich und unentgeltlich von unzähligen Menschen erbracht wird, könnte unsere Gesellschaft nicht existieren, da diese Arbeit unbezahlbar ist. Darum freuen wir uns, wenn unsere Arbeit in der Öffentlichkeit und bei den Politikern und Ärzten die Anerkennung finden würde, die sie verdient. Nicht nur heute oder zu bestimmten Anlässen, sondern ständig.

Ohne gegenseitige Hilfe und praktizierte Menschlichkeit
wäre unsere Welt um vieles ärmer.

 

verfasst von Monika Frankfurter Mai 2003

 

 

 


 


 

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