Morbus-Sudeck

Das wichtigste bei Verdacht auf Morbus-Sudeck: Begeben Sie sich unverzüglich in ärztliche Behandlung. Je früher die Behandlung beginnt, um so besser sind die Heilungschancen.

Der Morbus Sudeck ist eine schmerzhafte Erkrankung einer oder mehrerer Gliedmaßen. Er führt im Endstadium zum Funktionsverlust des betroffenen Körperteils durch Gelenkversteifung und Schrumpfung der Haut, Sehnen und Muskeln. Vermutlich handelt es sich um eine Störung in der Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem. Die Therapie setzt sich aus Medikamenten, physikalischer Behandlung und Ergotherapie zusammen.

Die folgenden Bezeichnungen werden ebenfalls für den Morbus Sudeck verwendet:

  • Sudeck-Dystrophie (Sudecksche Dystrophie)
  • Algodystrophie
  • Sympathische Reflexdystrophie
  • Schulter-Hand-Syndrom
  • Kausalgie

Englische Bezeichnungen:

  • Reflex Sympathetic Dystrophy Syndrome (RSDS)
  • Complex Regional Pain Syndrome (CRPS)

 

Erscheinungsbild

Vom Morbus Sudeck ist immer ein Gelenk, meistens Hand oder Fuß, seltener Knie oder Schulter und noch seltener Hüfte betroffen. Der Morbus Sudeck ist eine sehr individuelle Krankheit, die bei jedem Patienten wieder etwas anders erscheint und abläuft. Trotzdem wird sie generell in 3 Stadien eingeteilt (nach Kissling und Sager 1990)3:

Stadium I     Stadium der Hyperämie (vermehrte Blutfülle in einem Körperbezirk)

 

Stadium II     Stadium der Dystrophie (Ernährungsstörung)

Stadium III    Stadium der Atrophie (Schwund von Gewebe)

Die Übergänge zwischen den drei Stadien des Morbus Sudeck sind fließend und oft nicht klar abgrenzbar. Nicht jeder Sudeck beginnt mit einem heißen, geschwollenen Körperglied, die Krankheit kann auch relativ kalt beginnen.

Der Morbus Sudeck kann bereits im ersten Stadium ausheilen und muss nicht zwingend das 2. Stadium erreichen. Es ist aber auch möglich, dass Patienten vom 2. wieder in das 1. Stadium "zurückfallen."

Die beste Chance auf eine vollkommene Heilung haben Patienten, die bereits in den ersten Wochen fachgerecht behandelt werden, trotzdem dauert die Krankheit meistens monatelang, leider teilweise auch jahrelang. Sie kann schwere Dauerschäden wie Schmerzen, Versteifungen und Gewebeschwund zurücklassen.

Stadium I

 Die Krankheit beginnt in der Regel 1 bis 7 Wochen nach dem ursächlichen Ereignis. Die Patienten empfinden in der betroffen Körperpartie meist einen brennenden, oft außerordentlich starken Schmerz, der durch Belastung, aktive oder passive Bewegung intensiviert wird.

Viele Patienten empfinden Schmerz bei der geringsten Berührung (Allodynie) oder auch bei normalerweise als angenehm empfundenen Berührungen (Hyperpathie). Oft sind auch Missempfindungen (Parästhesien), wie Kribbeln vorhanden.

Der betroffene Körperteil ist stark geschwollen und oft gerötet. Teilweise wird vermehrt geschwitzt und der Haarwuchs am betroffenen Körperteil verstärkt sich. Das Gelenk beginnt sich schmerzhaft zu versteifen.

Das vom Morbus Sudeck betroffene Gelenk sieht aus wie bei einer Entzündung. Trotzdem kann im Blut keine Entzündung nachgewiesen werden und die Patienten haben kein Fieber.

Im Röntgenbild ist nach einigen Wochen manchmal eine beginnende gelenknahe, feinfleckige Entkalkung nachweisbar. Es gibt aber auch Fälle, bei welchen im Röntgenbild auch nach Monaten keine Veränderung sichtbar ist.

Dieses erste Stadium der Krankheit, auch Stadium der "akuten" oder "warmen Phase" genannt, dauert durchschnittlich 2 bis 8 Monate.

 

Klinische Symptomatik in vom Sudeck-Syndrom betroffenen Extremitäten bei Patienten, die innerhalb von zwei Monaten nach Auftreten des Sudeck-Syndroms untersucht wurden. (nach Laan und Goris 1997)4

 

Stadium II

In diesem Stadium, auch "kalte Phase" genannt, bildet sich die Schwellung meist zurück und das betroffene Körperglied wird kalt.

Die Haut ist jetzt meist glänzend, bläulich - rötlich verfärbt und gefleckt. Die Schmerzen können etwas nachlassen, können aber auch unvermindert stark weiter bestehen.  

Die Gelenkbeweglichkeit ist meist eingeschränkt und kann sich noch weiter verschlechtern. Bindegewebige Strukturen wie Unterhaut, Sehnen, Muskeln bauen sich um, werden derber und verlieren an Elastizität.

Im Röntgenbild sind oft, aber nicht immer, deutliche herdförmige fein- bzw. grobfleckige Entkalkungen sichtbar.

Dauer dieser Phase: ca. 3 bis 6 Monate

Stadium III

In diesem Stadium wird das Gelenk definitiv steif. Haut, Sehnen und Muskeln sind geschrumpft. Die Haut ist kalt und bläulich verfärbt (zyanotisch). Die Schmerzen haben sich in der Regel zurückgebildet.

Im Röntgenbild ist eine hochgradige, grobwabige, teilweise fleckige Osteoporose sichtbar.

Ein Morbus Sudeck in diesem Stadium kann nicht mehr völlig geheilt werden. Zum Glück tritt dieses Stadium heutzutage dank gezielter und frühzeitiger Behandlung kaum mehr auf.

 

Ursachen

Die genaue Ursache des Morbus Sudeck ist bis heute nicht bekannt. Die Krankheit tritt meistens nach einer, oft nur geringfügigen, Verletzung oder einer Operation auf. Sie kann aber auch nach einem Schlaganfall oder in selteneren Fällen  ohne erkennbare Ursache ausbrechen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer; auch Kinder können unter dieser Krankheit leiden.

Den Namen ‚Sudeck‘ verdankt diese Krankheit dem Hamburger Chirurgen Paul H. Sudeck (1866 -1945), der sie um 1900 beschrieben hat. Sie wurde aber bereits 1766 beobachtet und 1864 bei Soldaten, die sich während des amerikanischen Bürgerkrieges Schusswunden zugezogen hatten, genau beschrieben (Laan, Goris, 1997)4.

Sudeck nannte die Krankheit eine "entgleiste Heilentzündung" und beschrieb die Ähnlichkeit der Symptome zwischen einer Entzündungsreaktion und dem Sudeck-Syndrom.

Der größte Teil der Ärzteschaft geht seit einigen Jahren davon aus, dass es sich beim CRPS um eine Fehlregulation des Sympathischen Nervensystems (Teil des nicht vom Willen beeinflussbaren Nervensystems) handelt, der Schmerz im zentralen Nervensystem sozusagen falsch umgeschaltet wird und der Sympathikus  überschießend reagiert.

Mehr Informationen unter:

www.morbus-sudeck.ch

 

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