Definition

Phantomschmerzen sind Schmerzen, die nach einer Amputation in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil empfunden werden. Sie können vom Patienten i. d. R. außerhalb des Körpers sehr genau lokalisiert werden.

 

Ursache

Die genaue Ursache von Phantomschmerzen ist noch nicht vollständig erforscht. Als Ursache wird ein komplexes psychophysisches Geschehen angenommen. Die zahlreichen Theorien lassen sich in drei große Gruppen zusammen fassen:
  • Periphere Ursachen
    • Schmerzentstehung im Rahmen der Nervenregeneration
    • Schmerzentstehung durch Neurombildung
    • Erregung der blinden Nervenenden durch lokale Reiz- und Entzündungsprozesse
  • Spinale Ursachen
    • Schmerzentstehung im Rückenmark durch den Verlust afferenter Reize ("Deafferentiation")
  • Zentralnervöse Ursachen
    • Veränderung der zentralen Schmerzwahrnehmung im Thalamus und im Cortex

Man geht davon aus, dass das eigene "Bild" vom Körper trotz Amputation weiter fortbesteht. Durch die Amputation endet schlagartig die Weiterleitung von Empfindungen aus dem abgetrennten Glied. In Folge dessen verändert sich das Reizmuster, welches über das Rückenmark ins Gehirn gelangt.

Die Angaben zur Häufigkeiit von Phantomschmerzen nach Amputationen sind außerordentlich schwankend und u.a. abhängig von der Lokalisation des amputierten Körperteils. Die mittlere Inzidenz akuter Phantomschmerzen wird mit 50% bis 60% der Operierten angegeben. Die Häufigkeit des Auftretens scheint zu steigen, je körperzentraler die Amputation durchgeführt wird und hängt entscheidend vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab.

Phantomschmerzen können entweder gleich nach der Operation, aber auch erst Wochen oder Monate bzw. sogar Jahre danach auftreten. 

Eine dänische Studie aus dem Jahre 1997 geht davon aus, dass die Intensität und Dauer des voroperativen Schmerzes ein wesentlicher Faktor für das spätere Auftreten von Phantomschmerzen ist. Die Reproduktion auf das Phantomglied erfolgt demnach durch den vor der Amputation herrschenden Schmerz.

 

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