Was ist Schmerz?

 

Nach der Definition der internationalen Gesellschaft zum
 
Studium des Schmerzes (IASP) ist Schmerz "ein
 
unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit
 
aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft
 
ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung
 
beschrieben wird."
 
Mit dieser Beschreibung wird klar gemacht, dass
 
Schmerz ein rein subjektives Geschehen ist. Niemand
 
kann einem anderen Menschen sagen, wie viel
 
Schmerzen der andere gerade hat.

Warum gibt es Schmerzen?

Akute Schmerzen, sind dazu da, den Körper vor einer Gefahr zu warnen und zu schützen. So soll der Schmerz beim Anfassen einer heißen Herdplatte das Signal geben, die Hand weg zu ziehen, damit es keine Verbrennungen gibt.
Sie können aber auch heilende Funktion haben, wenn z.B. die Bewegung eines verletzten Armes schmerzt, so führt das dazu, dass man den Arm erst einmal ruhig hält. Diese schützende und damit positive Funktion hat der Schmerz allerdings dann verloren, wenn er bestehen bleibt, auch wenn die eigentliche Ursache längst beseitigt ist. Man nennt das dann einen "chronischen Schmerz". Es handelt sich dabei um einen Dauerschmerz, der zu einer eigenständigen Krankheit geworden ist.

Wie entstehen Schmerzen?

Damit man Schmerzen spürt, müssen sogenannte Schmerzfasern gereizt werden. Diese reagieren auf die schmerzauslösenden Einflüsse und leiten den Schmerz über Schmerzsignale weiter zum Rückenmark. Von dort werden die Signale an das Gehirn weitergegeben. Über einen komplizierten Verschaltungsweg wird dem Patienten somit bewusst, wo es ihm weh tut. Falls möglich, versucht der Körper automatisch, sich vor diesem Schmerz zu schützen.


Das Beispiel mit der Hand auf der heißen Herdplatte passt hier wieder sehr schön: die Nervenfasern der Hand leiten das Signal "die Haut der linken Hand verbrennt gleich" an das Rückenmark weiter. Direkt auf dieser Ebene wird ein Reflex ausgelöst, der dazu führt, dass die Hand automatisch blitzartig von der Herdplatte genommen wird. Gleichzeitig wird die Information an das Gehirn weitergeleitet und das Geschehen zusätzlich bewußt gemacht.

Wie wird Schmerz erlebt?

Schmerz ist nicht gleich Schmerz! Sie haben sicher auch schon festgestellt, dass manche Menschen Schmerzen besser ertragen können als andere. Aber auch bei jedem selbst kann das Schmerzempfinden sehr unterschiedlich sein, so kann man an dem einen Tag ein und denselben Schmerz kaum ertragen und am anderen Tag ist es gar nicht so schlimm. Woran liegt das? Neben diesen oben beschriebenen Mechanismen der Schmerzverarbeitung und -weiterleitung hat auch die individuelle psychische Situation einen großen Einfluß auf die Schmerzempfindung. Wenn man gerade niedergeschlagen oder schlechter Laune ist, kann ein Schmerzreiz stärker empfunden werden als wenn man gerade im Urlaub ist oder ein schönes Erlebnis hatte. Ist der Mensch abgelenkt, z.B. am Tage durch Beruf oder Ausbildung, wird der Schmerz weniger stark empfunden als am Abend oder in der Nacht, wenn Ablenkung fehlt.

Zusätzlich verfügt aber auch der Körper selbst über Botenstoffe (Endorphine), die kurzfristig den Schmerz ausschalten können. Bei anhaltenden und starken Schmerzen sind diese körpereigenen Schutzmechanismen allerdings nicht mehr oder nicht ausreichend wirksam. In der Schmerztherapie man sich ihrer, d.h. man versucht durch entsprechende Maßnahmen - Bewegungstherapie, Wärme- und/oder Kälteanwendungen, Akupunktur, Schmerzmedikamente (Analgetika) die Bildung dieser Botenstoffen zu fördern, ihre Wirkung zu ergänzen oder nachzuahmen.

 

 

 Was sind chronische Schmerzen?

Schmerzen werden als chronisch bezeichnet, wenn sie nach Wegfall der akuten Ursache weiterbestehen oder länger als sechs Monate anhalten. Durch ständige Schmerzreize können sich die Nervenfasern dauerhaft verändern. Das Schmerzempfinden "brennt" sich regelrecht in die Nervenbahnen ein. Es bildet sich das sogenannte Schmerzgedächtnis aus. Daraus resultiert, dass selbst schwache Reize als Schmerz empfunden werden. Die Schmerzen sind dann zu einer eigenständigen Erkrankung geworden, die oft schlimmer als die ursprüngliche Krankheit ist. Sie haben ihren Sinn als Warnsignal verloren.
Betroffen sind z.B. Menschen mit Rückenleiden, Krebs, Gelenkerkrankungen oder nach Amputationen:

  • Rückenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben: Im gesunden Zustand geben die Bandscheiben der Wirbelsäule Elastizität, indem sie als "Polster" zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen. Beim Bandscheibenvorfall ist der schützende Faserring durch Verschleiß oder Verletzungen beschädigt. Der gallertartige innere Kern quillt heraus und drückt auf die empfindlichen Nerven des Rückenmarks. Der Betroffene hat starke Schmerzen. Auch Wirbelbrüche in Folge einer Osteoporoseerkrankung oder hartnäckige Muskelverspannungen verursachen Rückenschmerzen. 

Bei Tumorpatienten gehören starke, anhaltende Schmerzen ebenfalls zu den häufigsten Symptomen. Tumorbedingte Schmerzen sind meistens direkt auf die Ausbreitung der Geschwulst bzw. Tochtergeschwulste (Metastasen) zurückzuführen. Therapiebedingte Schmerzen treten infolge der Behandlung auf, z.B. als Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder Bestrahlung.

 

 

 

Rheumatische Erkrankungen verursachen starke chronische Schmerzen, die den ganzen Bewegungsapparat betreffen können. Bei der rheumatoiden Arthritis sind entzündliche Prozesse an den Gelenken die Ursache. Bei Arthrose sind sie durch Verschleiß oder Überlastungen geschädigt. Beim sogenannten Weichteilrheumatismus sind Muskeln, Sehnen und Bänder schmerzhaft verändert.

  • Nach Amputationen treten oft Phantomschmerzen auf. Dabei werden Schmerzen in einem nicht mehr vorhandenen Körperteil empfunden. Ursache kann einerseits das Schmerzgedächtnis sein, wenn vor der Operation langfristig Schmerzen vorhanden waren. Andererseits kommt es nach der Amputation an durchtrennten Nerven zu knotenförmigen Auswüchsen, welche Schmerzen bereiten können. Auch hier gilt wie für alle anderen genannten Schmerzphänomene: Die Schmerzen sollten
  • möglichst rasch behandelt werden, um eine Chronifizierung zu verhindern. Aber auch Patienten mit chronischen Schmerzen haben ein Recht auf eine angemessene Behandlung.

 

 

 Was ist die Schmerzkrankheit?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten von Schmerz: dem akuten Schmerz und dem chronischen Schmerz.
Der akute Schmerz hat die oben beschriebene positive Warn- und Schutzfunktion. Er tritt z.B. bei Knochenbrüchen, Schnittverletzungen oder Entzündungen der inneren Organe wie dem Magen (z.B. Magengeschwür) auf. Wenn die Ursache des Schmerzes behoben ist, ist auch der Schmerz verschwunden. Deshalb muss man bei diesem Schmerz entweder keine Schmerzmittel einnehmen oder nur kurzfristig, bis die Ursache behoben ist.

Anders sieht es bei den so genannten chronischen Schmerzen aus. Sie bestehen über eine längere Zeit, da auch die Ursache für diese Schmerzen länger oder dauerhaft währt.
Zur Behandlung solcher Schmerzsituationen gibt es heute Verfahrenweisen, die zum einen die Linderung der Schmerzen und zum anderen parallel dazu die Behandlung der Schmerzursache zum Ziel haben. Das bedeutet, Schmerztherapie wird nicht isoliert betriebe bzw, ist keine Einzelmaßnahme, sondern umfasst in der Regel mehrere Maßnahmen, gegebenenfalls unter Hinzuziehung verschiedener Fachgebiete. Je früher die Schmerztherapie beginnt, desto besser. Wird sie jedoch zu spät oder nicht konsequent durchgeführt, kann das dauerhafte Einwirken der Schmerzen auf das Nervensystem zu bleibenden Veränderungen an einzelnen Nervenzellen führen. Der Schmerz brennt sich geradezu in das Nervensystem ein.
Selbst wenn jetzt der ursprüngliche Grund für die Schmerzen, z.B. ein Bandscheibenvorfall, beseitigt wird, bleiben die Schmerzen bestehen. Sie haben nun ihre Warn- und Schutzfunktion verloren. Aus dem Symptom "Schmerz" ist jetzt die eigenständige "Schmerzkrankheit" geworden.
Häufig ist eine solche Situation, die auch eine starke psychische Belastung für den Patienten ist, nicht mehr umkehrbar. Die Betroffenen müssen dann Zeit ihres Lebens schmerztherapeutisch versorgt werden.
Die Schmerztherapie ist heute in der Lage auch in solchen schwierigen Fälle zu helfen, so dass die Patienten relativ schmerzfrei eingestellt werden können. Absolutes Muss ist hierbei, wie aber überhaupt in der Schmerztherapie, die konsequente und korrekte Mitarbeit der Patienten.

Schätzungsweise leiden allein in Deutschland über 7 Millionen Menschen dauerhaft unter Schmerzen. Hilfe wäre möglich, leider wird sie nur allzu oft aus Unkenntnis, Vorurteilen und wegen hinderlicher Bürokratie verweigert. Doch hinter unbehandelten dauerhaften Schmerzen lauert lebenslanger Pein mit katastrophalen Auswirkungen für die Betroffenen. Arbeitsunfähigkeit bis hin zu Invalidität und Berentung, ein Schicksal, das nicht selten zu sozialer Isolation und zu allem Überfluss zu immensen Kosten führt. Ein Schicksal aber, das nicht sein muss, denn die krankmachenden Prozesse, die zu einer solchen Schmerzkarriere führen, sind in den letzten Jahren gut erforscht worden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen konnten erfolgreiche Behandlungsstrategien abgeleitet werden. Die Medizin ist heute in der Lage über 90% der Patienten mit chronischen Schmerzen mit gutem Erfolg behandeln zu können, wenn denn von allen - Ärzten wie Betroffenen - die Möglichkeit dazu frühzeitig und konsequent ergriffen würde.

 

 

 

 

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